Erfahrungsbericht GTA Süd (Etappen 39-60) Frühsommer 2021

Letztes Jahr mussten wir unsere Herbst-Wanderung am Colle di Tenda wegen Unwetter und Quarantäneregeln abbrechen. Nun sind wir dieses Jahr etliche Varianten des GTA gewandert und haben vor ein paar Tagen das Meer erreicht. Unterwegs trafen wir in beiden Richtungen vereinzelt andere GTA Wanderer*innen. Die Leute in den Unterkünften freuen sich sehr auf GTA Klientel. Am Wochenende waren viele Einheimische unterwegs. Die Hütten sind samstags etliche Tage im Voraus ausgebucht. Das hat uns lohnende Varianten und Umwege beschert. Im Süden hat es im Winter 2020/2021 wenig geschneit. Die Wege sind schneefrei.

öV-Anreise ins Valle Varaita:
Es gibt einen Bus ab Saluzzo ins Valle Varaita (siehe Bätzing). Wir haben uns ein empfehlenswertes Taxi nach Chiazale geleistet, da der Fahrplan nicht passte. Massimo +39 333 2773599, Autonoleggio Vernasca. B&B Maggiocondolo.

Kartenmaterial:
Die digitalen offline-Fraternalikarten (1:25 000) auf dem Handy haben wir dieses Jahr viel genutzt und geschätzt, weil wir hie und da auf kleineren Wegen/Varianten unterwegs waren. Die Ortungsmöglichkeit auf der Karte ist sehr praktisch. Das analoge National Geographic Karten-Büchlein (2019) war auch dabei.

Generelles zu Covid 19
Schutzmassnahmen (zB Maskenpflicht, keine Bettdecken, 50% Belegung) gelten die gleichen wie 2020. Die Umsetzungen sind ziemlich unterschiedlich und werden generell weniger strikt eingehalten als im Herbst 2020. Oft waren wir froh um unseren dünnen Daunenschlafsack, da noch nicht überall Decken zur Verfügung stehen. Die Nächte waren kühl. Andere Wandersleute (nur mit Seidenschlafsack unterwegs) erzählten, sie hätten immer irgendeine Decke erhalten. Manchmal hätten sie eine Reinigungsgebühr bezahlen müssen. In einigen Hütten werden die Leintücher, Kopfkissen und ev. Decken nach jedem Gast gewaschen.

Weghinweise - Varianten :
Etappe 41:
Die Variante von Rif. Gardetta direkt nach Ferrere, via Bersezio, ist zu empfehlen. Keine besonderen Schwierigkeiten. Die Passübergänge Colle Servagno (schmale Traverse in Absturzgelände) und Passo Bernoir (zuoberst gesichert mit Kette, gut markiert) sind auf der Südseite anspruchsvoller.

Etappe 42
Folgende Variante fanden wir lohnend und aussichtsreich. Ferrere - Colle del Ferro nord - Testa del Ferro - Colle di Panieris - Prati del Vallone.

Etappe 43
Der Weg zwischen Passo Rostagno und Rif. Migliorero ist in der National Geografic Karte als gefährlich eingestuft. Er ist nicht anders als die anderen Wege, ungefährlich.

Etappe 50:
Wegsperrungen beachten (siehe andere Kommentare).

Etappen 54/55:
Varianten im Gebiet Marguareis fanden wir sehr lohnend. Nach heftigen Gewittern sind wir bei toller Fernsicht folgende Route gewandert. (Wegen Blitzschlaggefahr NUR BEI SCHÖNEM WETTER!) Rif. Garelli - Rif. Mondovi- Passo d. Saline - Cima d. Saline - Cima Pian Ballaur - Colle d. Pas - Passo d. Croce - Rif. Don Barbera. Der Abstieg von Don Barbera nach Carnino war sehr blumen- und schmetterlingsreich.

Etappen 53 und 56:
Es gibt Tage mit viel Motorrad- und 4x4-Verkehr auf der alten Militärstasse (Ligurische Grenzkammstrasse). Wir hatten Glück, am Donnerstag und Sonntag war es still. Es gibt Tage, an denen keine Fahrbewilligungen ausgegeben werden.

Etappe 58:
Der östliche Teil des Sentiero degli Alpini zwischen Fontana Itala und Gola dell’Incisa ist auch nach den Unwettern Herbst 2020 begehbar. Einstieg bei der Fontana Itala, etwa 10 min nach dem Rif. Allavena. Der erste angeschriebener Alpiniweg, der links abzweigt, ist abenteuerlicher (EE). Vor dem Aufstieg zur Gola dell’ Incisa gibt es im Sommer 2021 zwei kurze ungesicherte Passagen, bei denen der Weg abgerutscht ist. Der Aufstieg zur Gola dell’ Incisa, zurück zum AV, ist teils ein steiles «Gewühle». Der Weg ist spektakulär und an den meisten Stellen renoviert und gesichert. Der Hüttenwart im Rif. Allavena informiert präzise. Der westliche Teil des Alpiniweges ist wegen Felssturz seit einigen Jahren gesperrt und wirkt unpassierbar.

Etappe 59:
Aussichtsreiche Varianten über die Krete auf kleinen Wegen bieten Abwechslung zur Militärstasse. Teste d’Alpe - Cime di Cremo - Monte Erisetta.

Etappe 60:
Entgegen anderen Kommentaren erlebten wir die Annäherung an die Zivilisation angenehm und erstaunlich lange auf kleinen Wegen. Die Gerüche wurden mit jedem Schritt mediterraner. Wir hatten früh morgens angenehme Temperaturen.

Ergänzende Informationen zu den Unterkünften:

Etappe 44:
Da San Bernolfo am Samstag ausgebucht war, sind wir zum Rif. Lago Laus hochgelaufen.

Etappe 47:
Rif. Questa, neue Hüttenwartfamilie. Im Pizzaofen wird Vollkornbrot gebacken, aussichtsreiche Outdoordusche, Schlafen in einer Starsbox möglich, «albergo mille stelle» war fantastisch! www.rifugioquesta.it

Etappe 52:
Hotel Arrucador bleibt in der Saison 2021 geschlossen, da bei den Unwettern im Herbst 2020 die Zufahrtsstrasse beschädigt wurde. Alternative in Limonetto, betrieben von Anja und Walter (gleiche Telefonnummer). Essen in der Bar in Limonetto. Zur Verkürzung der Etappe 53 bietet Walter einen Transportdienst auf den Colle di Tenda an.

Etappe 55/56:
Da im Gebiet am Samstag viele Unterkünfte ausgebucht waren, sind wir von Rif. Don Barbera via Carnino nach Upega ab-/aufgestiegen. Gute Alternative. Doppelzimmer. Anderntags hoch zur Krete bei Colle delle Selle Vecchie.

Etappe 59:
Piccolo Sparta ist 2021 wieder offen. Terrasse mit Meerblick am Horizont. Ruhiger Abschluss in den Bergen.

Etappe 60:
B&B La Terrazza dei Pelargoni hat erweitert. Einige weitere Zimmer mit schöner Dachterrasse in der nahegelegenen Via di Vico Olivi. In der Altstadt gelegen, freundlich, tolle Terrasse, stilvoll eingerichtet, reiches Frühstück.

Tendabahn
Die Tendastrasse ist zu Zeit für den Durchgangsverkehr geschlossen und stark beschädigt. Die Tendabahn fährt im Sommer 2021 zwischen Nizza via Breil-sur-Roya 1-2 mal täglich via Limone nach Cuneo. Es gibt eine Busverbindung von Ventimiglia nach Breil-sur-Roya. Der Zug fährt sehr langsam. Eine eindrückliche Fahrt.

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Hallo Maba, vielen Dank für euren Erfahrungsbericht dem wir uns in vielen Punkten anschließen können. Wir waren zu ähnlicher Zeit unterwegs. Start in Limone am 11. Juli. Wir sind dann die Bätzing Etappen 55a, 56, 57, 58, 59, 60 gegangen.
Zu COVID 19: eure Ausführungen können wir bestätigen. Maskenpflicht im Innern, die jedoch teilweise eher lasch gehandhabt wird. Decken werden in manchen Rifugios auf Nachfrage bereit gestellt, Hüttenschlafsack auf jeden Fall mitnehmen.
Für die Einreise nach Italien muss das digitale EU Passagier-Lokalisierungs-Formular ausgefüllt werden und digital oder ausgedruckt mitgeführt werden. (euplf.eu). Wir wurden im EC von Zürich nach Mailand in Como kontrolliert, was leider zu einer erheblichen Zugverspätung führte, wegen des zu geringen Personals für die Kontrolle. Unseren Anschluss nach Turin haben wir daher nicht erreicht und mussten auf eine spätere Verbindung ausweichen. Laut Aussage anderer Reisender kommt das wohl häufiger vor. Also ggf. für die eigene Anreise einplanen.
Wege
Etappe 58, die ausgesetzten Stellen mit den Hangabrutschen fanden wir herausfordernd, besonders wenn man nicht komplett schwindelfrei ist.
Etappe 60: euren Eindruck können wir voll bestätigen, bis kurz vor Ventimiglia auf kleinen Wegen im grünen, lediglich die letzten 2-3 Kilometer sind etwas zivilisationsanstrengend.
Unterkünfte: Generell zu den Kommunikationsmöglichkeiten in den Rifugios: Es gibt im Haus meist kein mobiltelefonnetz, hier muss man sich geeignete Plätze in der Umgebung suchen (beim Rif. Don Barbera ca. 50 m vom Haus entfernt. Im Haus auch kein WLAN). Im Rif. LaTerza u. Allavena können WLAN Codes erfragt werden.
Die Terrasse des Piccolo Sparta empfanden auch wir als entspannten Ausklang mit letzen herrlichen Blicken auf die Berge und Meer.

Hallo, hierzu eine Frage: Wo finde ich diese Karten fürs Handy? Habe eben gegoogelt, nicht erfolgreich … Danke :slight_smile:

Hallo Elena


Wir hatten diesen Link irgendwo in einem Buch gefunden. Es war, so wie ich mich erinnere, etwas aufwändig, weil das Runterladen nicht beim ersten Anhieb funktionierte. Wir haben uns den ganzen Alpenbogen für gut 100.- geleistet. Diese Karten finden wir sehr hilfreich. Ergänzt mit zB den National geografic Kartenbüchlein sehr gut. Wir wollten uns nicht nur auf eine digitale Karte verlassen.
Viel Glück und frohes Wandern
Barbara

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Präzisierung zu Etappe 58 Alpini-Steig: Offiziell sind beide Teile (Monte Pietravecchia, würde ich eher als nördlichen Teil bezeichnen, und Monte Toraggio, südlicher Teil) gesperrt. Monte Pietravecchia ist seit Oktober 2020 gesperrt, der Hüttenwirt kann nichts anderes sagen, als dass der Weg gesperrt ist. Information hängt nur im Refigio Allavena aus! Dieser Teil ist aber bei trockenem Wetter problemlos zu gehen. Der Weiterweg ab Colle dell’Inchisa ist seit 2015 gesperrt. Wenige 100 Meter nach dem Einstieg ist der Hang abgerutscht, es gibt kaum Umgehungsspuren, wir sind an der Stelle umgedreht. Einzige offiziell erlaubte Variante ist der Aufstieg zum Passo della Valletta und die komplette Westumgehung (im Sinne Bätzing und Rother) beider Gipfel.