Molini di Calasca bis Pont Saint Martin 2019 - GTA-Bericht Etappen 11b-22a (Rother Führer: GTA – Grande Traversata delle alpi) bzw. 1-13 bei Bätzing (Grande Traversata delle alpi – Teil 1)

Meine Frau und ich waren vom 3. - 18. August 2019 zum fünften Mal auf der GTA unterwegs. 2015 hatten wir in zwei Wochen die Etappen von Susa bis Castello/Pontechianale begangen. 2016 stand der Weg von Castello/Pontechianale bis Entracque auf dem Programm. 2017 haben wir mit der Strecke von Entracque bis Ventimiglia den Südteil der GTA vollendet. 2018 folgte der Beginn des Nordteils vom Nufenenpass bis Molini di Calasca sowie ein Teilstück der Ostroute von Casteldefino bis Sambuco. Berichte dieser Teilstücke gerne auf Anfrage (leider wurden sie hier im Board wie so vieles andere letztes Jahr gelöscht!).

Anbei unserer Eindrücke:

  1. Tag, 3. 8. 2019 – Zugfahrt Karlsruhe - Domodossola, per Bus nach Molini di Calasca, kleine Eingehrunde . Hinfahrt über Bern, Thun, Brig mit Blick auf den Monte Rosa von der Schweizer Seite aus und Domodossola. Dann geht es mit dem Bus das wilde Anzasca-Tal hoch bis nach Molini di Calasca, wo wir für zwei Nächte in der uns schon vom letzten Jahr bestens bekannten Locanda del Tiglio gebucht haben mit reichhaltigem Abendmenu.

  2. Tag, 4. 8. 2019 – Einlauftour: Molini - Olino - Drocalo - Castiglione – Molini, 11,1 km, 690 m Anstieg, 690 m Abstieg : Kleine Rundtour bei strahlendem Sonnenschein zum Einlaufen von Molini auf bestens markierten und gut hergerichteten Wegen durch den Wald hoch nach Olino, Drocalo mit Blick zum Monte Rosa, hinunter nach Castiglione und auf der alten Mulatteria zurück nach Molini. Nun genießen wir noch einmal die Vorzüge eines guten Restaurants, bevor morgen die einzige unbewirtschaftete Hütte der ganzen GTA kommt… Wir lassen uns noch eine Pizza für morgen als Proviant zurücklegen – eine sehr gute Idee, wie sich herausstellen wird!

  3. Tag, 5. 8. 2019 – Etappe 11b: Molini di Calasca - Alpe del Lago – 9,3 km, 1227 m Anstieg, 164 m Abstieg: Durch ein wildromantisches Flusstal geht es über wacklige Brückchen und sehr steil im Wald den Berg hinauf. Wir kommen an vielen Alpenveilchen, verlassenen Alphütten und an unzähligen leckeren Heidelbeeren vorbei, verspeisen mit großem Genuss oben auf der Höhe unsere mitgebrachte Pizza und müssen nun nur noch hinüber zur Alpe mit der unbewirtschafteten Hütte. Leider ist dort das Gas zum Kochen schon seit einigen Wochen aus (auf dem Bivacco di Pian Lago, wo wir am nächsten Tag vorbeikommen, ist schon überhaupt keine Gasflasche mehr vorhanden!)… Wie kocht man abends, wenn die große Gasflasche leer ist? Vor der Hütte hat es eine kleine Feuerstelle: Wir suchen nach zusätzlichem Holz, das leider durchwegs ziemlich feucht ist, und mit Hilfe von etwas überflüssigem Papier und einem halben Teelicht aus der Hütte bekommen wir mit viel Mühe schließlich ein Feuer in Gang, an dem wir unsere mitgebrachte Polenta mit Pilzsoße zubereiten können. Ein kleines Fläschchen Pfälzer Wein ist das Highlight des heute etwas kargen Mahles! Zum Glück sind wir nur zu zweit zum Übernachten. Wenn’s hier voll ist, könnte es durchaus ungemütlich werden… Die Matratzen und Decken fühlen sich klamm an von der feuchten Kälte. Aber wir haben ein Dach über dem Kopf!

  4. Tag, 6. 8. 2019 – Etappe 12: Alpe del Lago - Campello Monti – 9,2 km, 712 m Anstieg, 973 m Abstieg : Schon um 7.00 Uhr brechen wir auf, um allen für Nachmittag angekündigten Gewittern zuvorzukommen, was auch tatsächlich gelingt. Wir verlassen die zahlreichen Kühe der Alpe, die mit ihren rauen Zungen sehr geschickt die Heidelbeersträucher leeren. Bestimmt kommt die lilafarbene Milch für die Milka-Schokolade genau hierher… Der Pfad ist heute sehr beschwerlich, oft halb zugewachsen, so dass Schuhe und Füße auch ohne Regen im nassen Gebüsch ordentlich feucht werden. Am Höhenkamm holen uns die Wolken ein. Der angekündigte Fernblick zum Monte Rosa bleibt reines Wunschdenken. Der Abstieg ins Tal mit gefühlten 1000 Wasserfällen und ins malerische Campello Monti mit gutem Restaurant belohnt dann wieder für alle Strapazen. Wir übernachten und speisen hervorragend im „Alla Vetta di Cappezzone“. Als wir dort beim Mittagessen sitzen (die selbstgemachte, scharfe Pepperonipaste, die wir zu den Nudeln bekommen, hat es in sich und ist sehr zu empfehlen!), geht ein gewaltiger Regenguss nieder, der uns jetzt nicht mehr stört.

  5. Tag, 7. 8. 2019 - Etappe 13: Campello Monti - Rimella/Chiesa: 8,7 km, 664 m Anstieg, 779 m Abstieg: Heute starten wir noch trocken auf dem im Vergleich zu gestern sehr gut ausgebauten Weg, aber beim Aufstieg zum Pass holen uns Wolken und Regen schnell ein. Kurz hinter dem Pass kommen wir morgens um 10 Uhr schon in das erste Gewitter, was nicht so schön ist. Wir ducken uns in eine Mulde neben dem Weg, schauen zu, wie der heftige Regen an unserer Regenkleidung abperlt und geradewegs von oben in die Stiefel hineinläuft und warten (so schnell, wie der Regen kam, hatte ich keine Zeit, auch noch die Regenhose anzuziehen!), bis der Spuk nachlässt. Beim ersten Wolkenloch laufen wir fröstelnd weiter und sind gegen 12 bereits in Rimella, wo wir uns wieder trockenlegen können. Nachmittags gibt es weitere Gewitter, so dass auch alle später eintreffenden Wanderer genauso nass ankommen. Ab morgen kommt die Sonne wieder!

  6. Tag, 8. 8. 2019 – „Ruhetag“ in Rimella: Nochmals bei Sonne hoch zum Pass und zurück über die Dörfer San Gottardo etc. – 12 km, 830 m Anstieg, 830 m Abstieg: Wieder einer unserer sogenannten Ruhetage… Aber nach dem fantastischen 16(?)-Gänge-Menü im Albergo Fontana gestern Abend und bei blauem Himmel müssen wir uns einfach wieder bewegen! Unsere zwei Plüschtiere Elsie und Fridolin, die immer außen am Rucksack hängen, maulen außerdem, sie hätten gestern unter der Regenhülle gar nichts gesehen. So geht es heute bei schönem Wetter noch einmal den wunderschönen Weg zum Pass hoch und auf dem Rückweg über die im ganzen Tal verstreuten Walserdörfer. Im malerischen San Gottardo ist Fridolin besonders begeistert, gleich zwei Bars zu finden - die zweite (Traum eines jeden Lehrers!) in der alten Schule am Dorfplatz… In Rimella und dem wildromantischen Mastallone-Tal mit seinen malerischen, bewaldeten Bergen mit eigentümlichen Formen könnte man es gut auch mehr als nur zwei Tage aushalten! Nur käme man bei der unglaublichen Verpflegung mit unzähligen Gängen im Albergo Fontana (allein 7-11 Vorspeisen!!!) am Abend vermutlich bald keine Berge mehr rauf und könnte sich nur noch ins Tal kugeln…

  7. Tag, 3. 8. 2018 – Etappe 14: Rimella/Chiesa - Alpe Baranca – 11,9 km, 1047 m Anstieg, 576 m Abstieg: Auf alten Wegen über viele Dörfer durchqueren wir bei schwülwarmem Wetter zwei tief eingeschnittene Täler. Dazwischen auf der Höhe bei La Res nutzen wir die Gelegenheit, beim „Il passaggio della Res“ ein Lemonsoda zu trinken. Dort könnte man bei Bedarf auch übernachten (ohne Halbpension). Wieder im Tal geht es über Santa Maria di Fobello ein längeres Stück die Teerstraße talaufwärts, bis der Weg wieder in die Berge abbiegt. Oben an der Alpe Baranca ist die Luft dann deutlich frischer… Zusammen mit zwei jungen Paaren aus Deutschland sind wir die einzigen Übernachtungsgäste und werden bestens verpflegt. Die jungen Wanderer sind bei der üppigen Vorspeise schon überzeugt, dass das das ganze Abendessen wäre. Wir wissen aus Erfahrung, dass da durchaus noch mehr nachkommt!

  8. Tag, 10. 8. 2019 – Etappe 15: Alpe Baranca – Carcoforo - 9,2 km, 719 m Anstieg, 969 m Abstieg: Seltsam im Nebel zu wandern… Heute brechen wir schon in den Wolken auf, bleiben aber den ganzen Tag ohne Regen. Hinter dem Colle d’Egua (2239 m) gibt es hin und wieder ein Wolkenloch und bald schon sind wir unter den Wolken, die immer noch schwer in den Bergen hängen. Carcoforo ist ein schmuckes Dorf und offensichtlich auch für Italiener ein beliebtes Ausflugsziel. Wir übernachten im Albergo Alpenrose in einem einfachen Doppelzimmer. Das Essen ist ganz hervorragend und eher gehobene Küche!

  9. Tag, 11. 8. 2019 – Etappe 16: Carcoforo – Rima – 10,3 km, 1147 m Anstieg, 919 m Abstieg: Heute sind wir die meiste Zeit nicht in den Wolken und können zumindest die Berge in der Nähe sehen. Von Carcoforo geht es sehr lange und häufig steil hoch zum Colle del Termo (2351 m), von dort dann bequem und mit vielen Kehren auf einem gut gepflegten Weg auf der anderen Seite hinunter ins schmucke Dorf Rima mit seinen vielen Walserhäusern. Dort übernachten und speisen wir im „Vecchio Albergo Tagliaferro“, das alte, um 1900 erbaute Hotel Axerio. Man kann auch nur dort übernachten und im Ristorante Alpino essen (soll sehr gut sein! Unbedingt innen den alten, opulent mit Kunstmarmor und Stuck ausgestatteten Speisesaal ansehen!), wo man auch den Schlüssel zum neu hergerichteten Posto tappa bekommt. Nachmittags haben wir Zeit, durch den hübschen Ort zu schlendern, einem Kunstmarmor-Hersteller bei der Arbeit zuzusehen und die eindrucksvolle Gipsoteka zu besichtigen: Die Bewohner dieses Tals waren in ganz Europa gefragte Stuckateure und Kunstmarmorhersteller, wodurch sich der Lebensunterhalt besser verdienen ließ, als durch die karge Landwirtschaft bei den kurzen Sommern in hochgelegenen Bergtälern.

  10. Tag, 12. 8. 2019 – Etappe 17a: Rima - Alagna: Schlechtwettertag mit ständigen Gewittern, deshalb per Taxi nach Varallo und von dort per Bus nach Alagna: Was tun an einem Tag auf der GTA, an dem es bereits morgens um 8 Uhr das erste Gewitter gibt, dem den ganzen Tag über noch weitere folgen sollen? Wir lassen uns mit dem Taxi nach Varallo bringen, fahren ganz faul mit der Seilbahn auf den berühmten Sacro Monte, wo dann das zweite Gewitter niedergeht, und später im dritten Gewitter mit dem Bus nach Alagna… Dort übernachten wir äußerst komfortabel im Hotel Cristallo (gehobene Küche!), wo extra für uns die Sauna angeheizt wird, was wir an so einem Schlechtwettertag gerne in Anspruch nehmen.

  11. Tag, 13. 8. 2019 – Etappe 17b: mit Abstecher per Seilbahn zum Passo di Salato (2965m), insgesamt 600 m Anstieg, 350 m Abstieg, 11 km.: Nach den vielen Gewittern gestern ist der Himmel am Morgen strahlend blau. Nun wollen wir endlich sehen, wo wir hier eigentlich die ganze Zeit herumlaufen und fahren mit der Seilbahn bis auf fast 3000m Höhe. Der Monte Rosa ist total frei, in der Ferne sieht man den Monviso herüberspitzen. Sogar der Mont Blanc ist zu sehen! Gegen Mittag ziehen wieder Wolken auf und wir machen uns im Tal auf den Weg vom touristischen Alagna ins gemütliche Dorf Sant Antonio - leider ziemlich lange auf einer Teerstraße, was mein rechter Fuß nicht sehr mag… Erstaunlich sind die endlosen geparkten Autos entlang der Straße: alles italienische Wochenend-Ausflügler! Abends in Sant Antonio sind wir wieder unter uns. Gemeinsam mit drei Österreichern sind wir die einzigen Übernachtungsgäste und werden bestens bekocht mit selbstgemachten Raviolis, gut gewürztem Sauerbraten oder Kaninchen usw… Morgen kommt eine sehr lange Etappe und wir essen etwas auf Vorrat…

  12. Tag, 14. 8. 2019 – Etappe 18: Sant´ Antonio di Val Vogna - Rifugio Rivetti, 16 km, 1493 m Anstieg, 667 m Abstieg: Eine lange, aber wunderschöne Etappe - dieses Mal bei Bilderbuchwetter mit Blick zum Monte Rosa, Matterhorn, Mont Blanc… Von Sant Antonio aus nehmen wir den Wanderweg rechts oberhalb des Kirchleins bis Peccia, der viel schöner ist, als die Schotterstraße weiter unten im Tal. Auf der Alpe Maccagno werden wir mittags bestens versorgt (selbstgemachter Käse, Salami, Brot, Espresso) und sind so gestärkt für die weitere Wanderung über Hochflächen und durch Geröllfelder, die sich erheblich länger hinzieht, als gedacht. Der Abstieg vom Passo del Maccagno (2495 m) ist etwas ausgesetzt. Im Rother-Führer heißt es: „An ein paar Felsstufen muss manch einer schon mal die Hände einsetzen.“ Bei uns ist es eher der Hintern… Wirklich problematisch finden wir aber das kurze Steilstück nicht. Im urigen Rifugio Rivetti versorgt uns das junge Team fantastisch mit durchaus kreativer Küche und der lange Abend schließt mit einem Ferragosto-Begrüßungsfeuer und Glühwein…

  13. Tag, 15. 8. 2019 – Etappe 19a: Rifugio Rivetti - Rifugio Madonna della Neve, 9,6 km, 487 m Anstieg, 1153 m Abstieg: Heute wieder eine kürzere Etappe mit gleich 1100 m Abstieg direkt nach dem Frühstück… Wieder hängen die Wolken in den Bergen, während über der nahen Poebene blauer Himmel ist. Ab morgen soll der auch in den Bergen kommen. Schaun wir mal! Piedicavallo haben wir im Tal besichtigt. Ein sehr schöner Ort mit Theater, Waldenser-Tempel und eigenem Musikfestival. Gerne entfliehen wir aber dem Ferragosto-Rummel wieder und steigen zur Selle di Rosazza auf. Nachmittags wird es auch oben am Rifugio Madonna della Neve bald ruhiger. Wir sind die einzigen Übernachtungsgäste im Posto tappa und werden mit zwei Familien, die in der Nähe campen, bestens versorgt. Der selbst gebackene Heidelbeerkuchen ist ein Gedicht und, wie unsere Wirtin lachend erzählt, zumeist schon wieder aufgegessen, bevor er richtig kalt geworden ist… Der Weg zur Toilette ist dieses Mal nachts etwas weit und umständlich: Eine Eisenstiege hinab, durch den Gastraum durch nach draußen, dann 25 m weiter eine Steintreppe hinunter und schon ist man da. Aber bei klarem Himmel und Vollmond findet man sich auch bei dieser Nachtwanderung zurecht.

  14. Tag, 16. 8. 2019 – Etappe 19b+20: Rifugio Madonna della Neve -Santuario San Giovanni - Oropa - Capanna Renata (per Seilbahn), 20,6 km, 514 m Anstieg, 774 m Abstieg: Wir starten noch bei fast wolkenlosem Himmel, aber von der Poebene zieht bald die Feuchtigkeit wieder hoch in die Berge. Rosazza beeindruckt mit Türmchen und kleinen Palästen. Danach kommt leider öfters ein längeres Stück Teerstraße, dem man nicht ausweichen kann! Das Santuario San Giovanni ist bald erreicht, aber wir haben noch den Tracciolino vor uns - einen alten Pilgerpfad bis Oropa, der immer schön auf einer Höhe bleibt, sich aber schier endlos zieht… Auf den letzten Füßen kommen wir an, besichtigen den riesigen Kloster-Komplex und fahren dann mit Seilbahn und anschießendem Korblift hoch zur Capanna Renata auf fast 2400 m Höhe. Dort sind wir über den Wolken und haben Blick auf die weite Poebene. Zum ersten Mal auf unserer Tour dieses Jahr ist die Hütte nahezu voll besetzt und wir sind froh, frühzeitig reserviert zu haben. Zu acht in einem Zimmer mit nahezu keiner Abstellmöglichkeit zwischen den Betten wird es doch etwas eng! Warmes Wasser gibt es nicht mehr, da die wenigen Solarzellen nicht für 14 Leute genug Strom erzeugen können. Heute verzichte ich also auf die Dusche. Trotz der vielen Leute ist das Abendessen, das uns Chiara und Yoselito im bestens geheizten Gastraum servieren, wieder einmal der Wahnsinn: Viele Vorspeisen mit Gemüse, Schinken und Salami, gebratene Polentascheiben mit Gorgonzola, zwei Fleischgerichte, riesige Käseplatte, Dolce, Kaffee, diverse Grappe mit verschiedenen Kräutern versetzt…

  15. Tag, 17. 8. 2019 – Etappe 21: Oropa – Maletto – 14,3 km, 837 m Anstieg, 1371 m Abstieg: Auf der Capanna Renata sind wir heute weit über den Wolken der Poebene. Vom nahen Monte Camino haben wir freie Sicht auf alle hohen Berge ringsum, aber die Etappe fängt unten bei Oropa Sport an - also zuerst unter und dann in der Nebelsuppe! Als wir mittags im Rifugio Coda unsere Minestrone löffeln, sind wir noch in den Wolken. Kaum zu glauben, dass wir auf dem Kammweg über den M. Roux (2318 m) bis zum Colle della Lace dann noch einmal über die Wolken kommen mit überwältigender Rundum-Sicht! Gerade bei so einem Wetter ist der Kammweg im Vergleich zu der unterhalb des Kamms parallel verlaufenden GTA, die wohl zum Teil zugewachsen ist, unbedingt zu empfehlen! Wen der Begriff „klettersteigähnlich“ des Rother Führers abschreckt: Es gibt eine ganze Reihe von Eisenstufen und mit Seilen gesicherte Stellen, die aber aus unserer Sicht nicht weiter problematisch sind. Schwindelfreiheit ist sicher erforderlich, ein Klettergurt wie man ihn auf den meisten richtigen Klettersteigen benötigt, aber eher nicht! Der endlose Abstieg bis Maletto hat es dann noch einmal in sich: Oberhalb der Alpe Druer fehlen offensichtlich Wegweiser und der alte GPS-Track des Rother Führers ist nicht mehr aktuell. Dieser verläuft hier zu weit rechts, wo es aber keinerlei Weg mehr gibt. Man muss sich deutlich weiter links halten, und stößt dann wieder auf einen gut markierten Weg Richtung Alpe Druer. Von hier geht es dann - großteils auf einer ätzenden Schotterpiste! – weiter talabwärts bis nach Maletto. Das unglaublich leckere Abend-Buffet, das uns Giselle mit ihrer Familie im Ristoro Maletto bei einem gerade dort stattfindenden Dorffest auftischt, bringt uns schnell wieder auf die Beine. Gemeinsam mit den drei Österreichern, mit denen wir nun schon seit Sant Antonio unterwegs sind, sind wir die einzigen Übernachtungsgäste und genießen nach drei einfachen Rifugio-Übernachtungen erstmals wieder die Vorzüge eines Doppelzimmers mit eigenem Bad. Nur das Bett hängt dermaßen durch, dass wir irgendwann nachts die Matratze auf den Boden legen, um nicht ständig das Gefühl zu haben, am Hang zu schlafen…

  16. Tag, 18. 8. 2019 – Etappe 22a: Maletto über Carema zum Bahnhof Pont Saint Martin: Zug nach Orta-Miasino – 6,6 km, 21 m Anstieg, 1027 m Abstieg: Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal… Auf einer gefühlt nie endenden Mulatteria durch den Kastanienwald geht es ins tief eingeschnittene Tal der Dora Baltea und zum tiefsten Punkt des Piemont. Noch tiefer geht es auf der GTA nur noch am Mittelmeer! Der Bahnhof in Pont Saint Martin ist unser Ziel: Nach zwei Wochen GTA sind wir reif für die Insel und der Zug bringt uns zum malerischen Orta-See, wo wir in Orta San Giulio noch sechs Tage zum Ausspannen verbringen wollen. Tschüss GTA! Nächstes Jahr kommt das für uns letzte und noch unbekannte Teilstück von Quincinetto nach Susa…

Fotoserien von allen unseren GTA-Touren finden sich auf Instagram unter: https://www.instagram.com/tineck62/

Weitere Infos zu Kartenmaterial, Kosten, Rucksackgewicht, Unterkünften usw. gibt es bereits ausführlich in den Berichten der Vorjahre. Daher nur so viel: Die Gesamtkosten pro Tag (mit allen Getränken, Einkäufen, Lunchpaket, Taxi usw.) lagen im Nordteil ohne An- und Abreise dieses Jahr bei ca. 80.- € pro Person und Tag (die Tage am Ortasee eingeschlossen), wobei wir, soweit vorhanden, stets einem Doppelzimmer statt des Posto tappas den Vorzug gegeben haben.

Wer sich selbst so eine Wanderung nicht zutraut und sich einer Gruppe mit professioneller Führung anvertrauen möchte, findet z. B. unter folgenden Links weitere Informationen:

https://www.hauptsache-draussen.de/Trekking/Grande-Traversata-delle-Alpi-GTA/?mact=Products,cntnt01,details,0&cntnt01category=Trekking&cntnt01cd_origpage=61&cntnt01productid=60&cntnt01returnid=66

https://www.dav-summit-club.de/reisedetails/detail/1-etappe-der-grande-traversata-delle-alpi-vom-nufenenpass-zum-orta-see.html