Weitwandern im Piemont, aktuelle Lage

Aktuelles zu den Einreisebestimmungen nach Italien und die generelle Lage für Weitwanderer:

Aktuell ist eine Einreise nach Italien relativ problemlos möglich, es muss jedoch ein aktueller, negativer PCR-Test bei der Einreise vorliegen, und darüber hinaus müssen auch noch weitere Sachen beachtet, und einige Dokumente mitgeführt werden.

Eine ideale Übersicht und nötige Dokumente zum Herunterladen findet man hier:

Einreisebestimmungen Italien: Reisepass, Zollbestimmungen | ADAC

Seit Montag, den 14.06.2021 ist die Region Piemont „weiße Zone“, somit ist die nächtliche Ausgangssperre aufgehoben, und es gibt im innerregionalen Reiseverkehr keine Beschränkungen mehr. Restaurants und Unterkünfte sind geöffnet. Es gilt aber weiterhin Maskenpflicht in Gebäuden, und in Restaurants dürfen nicht mehr als sechs Personen an einem Tisch sitzen.

Nach unseren Informationen scheinen fast alle Unterkünfte zwischen Mitte und Ende Juni wieder öffnen zu wollen, und wir haben bislang keine Informationen über die Schließung von Unterkünften. Wegen der schwierigen Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie und wegen der Möglichkeit plötzlicher unvorhergesehener Ereignisse empfehlen wir jedoch dringend, vor Antritt einer GTA-Wanderung mit den Unterkünften Kontakt aufzunehmen.

Nicht zu empfehlen sind derzeit Reisen und Wanderungen in den benachbarten, französischen Tälern Roya und Vésubie, hier haben die Unwetter von 2020 neben den Straßen auch zahlreiche Wanderwege weggespült und unpassierbar gemacht, die Lage ist zudem unklar.

Werner Bätzing und Michael Kleider

Aufgrund meiner Erfahrungen vom Mitte Oktober:
Ventimiglia - Sospel (GR52) - Vallée des Merveilles geht.
Zwischen Casterino und Refuge Valmasque wurde ein Teil des in Reparatur befindlichen Wanderwegs weggespült, aber man kann das oberhalb des Baches am Hang auf großen Gesteinsbrocken umgehen, ein paar für Wanderer nicht notwendige Brücken (Fahrstraße zum Refuge) sind weg.
Das erst Mitte September geflickte Stück der Fahrstraße zum Refuge Fontanalbe war schon wieder kaputt und von großen Felsbrocken bedroht, als Wanderer wurde nach der Reparatur eh weiterhin die Umleitung empfohlen. Zwischen Fontanalbe und Casterino fehlt auch eine kleine Brücke, war aber kein Problem.
Casterino ist (war?) mit Fahrzeug nur von Italien mit 4x4 erreichbar.
Das Posto Tappa in San Giacomo hat nur ganz knapp das Unwetter überlebt, beide Brücken über den Fluss zwischen San Giacomo und Entraque sind weg, die zum Camping Platz direkt gegenüber vom Posto Tappa und die vom Wanderweg, der Wanderweg östliche des Flusses wurde weggespült, der Fluss läuft nun stellenweise dort direkt an einer Felswand. San Giacomo-Entraque ist nur auf der Straße begehbar, ab und zu steht man 2 m unter Straßenniveau und muss etwas kraxeln, das Stromkabel zum Posto Tappa wurde mit der Straße zerstört. Entraque - Rifugio Elena Soria wurde aber fleißig von Wanderern begangen.
Die abenteuerliche Flussdurchquerung und der viele Schnee hat mir gereicht, bin dann mit Bus/Zug nach Alagna weiter, um meine Lücke bis Rimella von 2019 zu schließen. Wenige Meter von der Straße in Alagna war der GTA nach Norden gesperrt, weil wenige Meter Wanderweg direkt am Beginn fortgespült wurden und ein Brückenfundament unterspült wurde, dies lässt sich jedoch links vom Bach umgehen.
Es gibt an ca. 3 Stellen am Hang Risse oberhalb vom Wanderweg, kann sein, dass über den Winter noch etwas abgebrochen ist, ansonsten kommt man problemlos bis Fobello. La Res - Rimella ist (war?) wegen umgefallenen Wald nicht begehbar, bin über die Straße von Fobello, da ich nicht wusste, ob andere Wanderwegalternativen begehbar sind.
Rimella-Campello Monti - Omegna ist begehbar, die größten Schäden sind da in Orten auf der Straße, teils 50 cm tiefe Löcher die vermutlich mittlerweile aufgefüllt sind.
Teil III war:
Susa - Villanova ohne Probleme begehbar, allerdings Bivacco Orsiera und Alpe Toglie wegen Corona geschlossen. Das Posto Tappa in Villanova war Mitte/Ende Oktober auch schon zu, der Campingplatz in Torre Pellice auch, obwohl der laut Website hätte offen sein sollen. Rifugio Jervis wäre offen gewesen, allerdings wurde es beim Abstieg von der Sonne bei 2300 Höhenmetern in die Wolken so neblig, dass ich mir die Westumgehung von Villanova erspart habe, da hätte ich den Weg über die Wiesen vermutlich nur mit GPS gefunden.

Eigentlich wollte ich im Museum in Balsiglia übernachten (dafür gibt es ca. 5 verschiedene Telefonnummern, Schild vor Ort, Internet, Führerliteratur), vor Ort ist der Handyempfang schlecht, außerdem hatte ich noch Zeit und bin schnell auf dem Weg am Bach entlang bis Didiero zum Posto Tappa (war der dritte Gast in 2020), das ermöglichte mir auch am nächsten Tag bis zum Rifugio Lago Verde weiterzugehen.

Bei Rima hatte es nachts -4°C. Am Bivacco Colle d’Egua -6°C. Zerkleinertes Feuerholz muss man in Coronazeiten wohl selbst mitbringen. Es war ein großes Scheit vor Ort, das ich mit Papier umwickelter Kerze zum Brennen gebracht habe (meine ganzen rote und blaue Viaalpina Ausdrucke und mein Packpapier zum Schuhe trocknen, welches ich bisher nicht gebraucht habe, gingen drauf), so konnte ich, nachdem die Lüftungsöffnung unter dem Dach verstopft war (die Luft soll ja durch die Löcher in der Tür rein und zum Kamin raus, ansonten ist das Biwak in Minuten auf Außentemperatur), die Temperatur innen in der Nacht bei 0-1 °C halten.

Ein paar Eindrücke:

Der Steinbock am Refuge Valmasque ist sehr nervig, hat die ganze Nacht Lärm gemacht, wollte wohl rein kommen, zum Glück hatte ich die untere Hälfte der Metalltür geschossen. Dafür konnte ich am nächsten Tag Steinbockspuren durch den Schnee nach Italien folgen.

In Entraque habe ich den einzigen anderen GTA Wanderer getroffen, aus Deutschland, der die Markenpflicht nicht so toll fand. Wie ich zu Hause feststellen musste, hatte Entraque die höchste Fallzahl/Einwohner im ganzen Piemont (Großstädte ausgenommen). Ansonsten war es am Weg meist 0, von Städten wie Susa abgesehen.