Der Ötscher-Rundweg, der in 7-8 Etappen zurückgelegt werden kann, verdient mehr Aufmerksamkeit. Trotz der im alpinen Vergleich geringen Höhe, bietet er eindrückliche Landschaften, herausfordernde Wegstücke und trotz einiger touristischer Hotspots weitgehend einsame Streckenabschnitte. Wir haben die Tour im Juni 2026 absolviert, d.h. rund 11 Jahre seit der Publikation des Buches, und dabei festgestellt, dass die Region einem starken Strukturwandel unterworfen ist und die Streckenbeschreibung daher einiger Aktualisierungen bedarf:
Wer die zweite Etappe etwas abkürzen und St. Anton an der Jessnitz umgehen möchte, findet eine einsame und landschaftlich reizvolle Alternative, die über verschiedene Wanderwege von Höbarten über Zwerg, Grübl und den Klauswald zur Hochbärneckhütte führt. Beide im Buch erwähnten Übernachtungsmöglichkeiten, der Mostheurige in Höbarten und die Hochbärneckhütte, sind empfehlenswert und ihre nähere Zukunft scheint gesichert.
Für die 3. Etappe haben wir die Variante über die Ötscher Tropfsteinhöhle gewählt, deren Besichtigung ein lohnenswertes Abenteur ist, da sie nicht elektrifiziert ist, verschiedene engere Passagen beeinhaltet und nur mit einer Führungsperson besichtigt werden kann. Aber Achtung: vorher Öffnungszeiten der Höhle überprüfen. Übernachtungsmöglichkeiten am Ende dieser Etappe gibt es nur in Lackenhof, das Ötscherschutzhaus ist leider bis auf Weiteres geschlossen.
Die 4. Etappe mit ihrer anspruchsvollen Querung der steilen Ostflanke des kleinen Ötschers ist sicher eine der schönsten Etappen dieser Rundwanderung. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es allerdings nur noch auf der Feldwiesalm und auf der Gemeindealpe (Terzerhaus). Sowohl auf der Brach wie am Erlaufsee sind die beschriebenen Unterkünfte verschwunden.
Die 5. Etappe führt durch eine touristisch gut erschlossene Gegend. Das Schutzhaus Vorderötscher hat jedoch seinen urigen Charakter bewahren können und empfiehlt sich, wie im Buch beschrieben, als Einstieg in den Ötschergraben am nächsten Morgen (Etappe 6), da man den zahlreichen Tagestouristen zuvor kommt. Am Ende der 6. Etappe sind mittlerweile jedoch die meisten Unterkünfte verschwunden. Zum Glück besteht in Wienerbruck und Annaberg Reith Anschluss an die Mariazeller Bahn, sodass sich andere Optionen für die Fortführung der Tour eröffnen. Abschliessend sei noch erwähnt, dass auch das im Buch erwähnte Alpenhotel Gösing unterdessen seine Tore geschlossen hat. Mit dem Hotel Winterbach, ebenfalls direkt an der Bahn gelegen, besteht jedoch eine attraktive Alternative.