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forum.wanderweb.ch von 2016 vom Posto tappa hier beschrieben wurden, haben wir glücklicherweise nicht. Ebensowenig müssen wir bei Eiseskälte auf der Terrasse frühstücken!
Fast gegenüber gibt es neuerdings einen kleinen, aber gut sortierten Laden „La Butego“. Dort kann man frisches Obst, Wurst und Käse, diverse Getränke, Sekundenkleber, Kochbücher usw. kaufen. Die berühmte Kirche von Elva ist offen und kostet sonderbarerweise keinen Eintritt. Die Beleuchtung für die äußerst beeindruckenden Fresken des flämischen Malers Hans Clemer aus dem 15. Jahrhundert im Altarraum muss man selbst neben der Eingangstür anschalten. Wir sind begeistert!
Die immer noch lange Zeit bis zum Abendessen überbrücken wir in der Locanda mit Tee (meine Frau) oder einem empfehlenswerten „Spriz des Alpes“ (ich). Das Viergänge-Menü kann sich sehen lassen! Und der Genepy aus Elva, den wir anschließend noch probieren, schmeckt wirklich besonders lecker. Tag, 10. 8. 2018 – Etappe V45b: Elva-Serre – San Martino – 9,7 km, 427 m Anstieg, 701 m Abstieg: Alle Regenwolken haben sich wieder verzogen und es ist strahlend blauer Himmel! Nach dem für italienische Verhältnisse sehr guten Frühstück (es gibt sogar eine Schale mit Früchten, Käse, Schinken und Eier! Da merkt man, dass viele deutsche Gruppen im Mairatal unterwegs sind!) in der Locanda statten wir nochmals der beeindruckenden Kirche einen Besuch ab. Für den Besuch des Haarmuseums gibt es die Tickets im Laden. Netterweise schließt uns der Ladenbesitzer das Museum schon etwas vor 10 Uhr auf und stattet uns mit einem Audioguide in Deutsch aus, der uns ausführlich über die Haarhändler aus Elva informiert: Um die lange Zeit zu überbrücken, in der im Tal keine Landwirtschaft möglich war, zogen diese in den Wintermonaten durch halb Europa, schwatzten den Frauen gegen ein kleines Entgelt ihre langen Haare ab, sortierten und reinigten diese anschließend in Elva aufwendig, um sie schließlich Haar für Haar zu aufwendigen Echthaarperücken zu verarbeiten, die in der ganzen Welt gefragt waren. Gut, dass wir die relativ lange Etappe von Chiesa bis San Martino mit zusätzlichem Weg für uns von Casteldelfino bis Chiesa in Elva unterteilt haben. Sonst hätten wir weder für die Kirche noch für das beeindruckende Museum so viel Zeit gehabt!
Heute ist die Etappe sehr kurz und leicht und die Sicht über das ganze Mairatal fantastisch. So lassen wir uns viel Zeit und machen einige Abstecher zusätzlich links und rechts des Wegs zu verlockenden Pausenplätzen. Als wir vom Colle San Giovanni (1872 m) noch links bis zu einer Anhöhe auf fast 2000 m aufsteigen, an der einige Modellflugzeugbauer ihre Flugzeuge fliegen lassen, können wir auf der anderen Seite der Poebene die Gipfel des Marguareis-Massivs erkennen. Und auf der Gegenseite spitzt der Gipfel eines offensichtlich sehr hohen Berges über die grüne Hochebene: Das ist der Monviso!
Bald kommt die Kirche von San Martino superiore in den Blick und schon vor 15.00 Uhr sind wir in San Martino inferiore am Ziel, wo wir sehr freundlich und ganz ungewohnt auf Deutsch begrüßt werden. Der leider schon 2004 verstorbene Arndt Lothar Schneider und seine Frau Maria haben hier und im gesamten Mairatal schon früh vorbildliche Pionierarbeit geleistet. Das komplett verlassene Dorf San Martino inferiore wurde in mühsamer Kleinarbeit exzellent und einfühlsam renoviert und zu einem kleinen Kulturzentrum ausgebaut, in dem auch Kunstausstellungen und Kurse (Achtsamkeit und Kochen, Feldenkrais, Yoga usw.) angeboten werden. Um die Region für Wanderer attraktiver zu machen, wurde ein dichtes Netz mit 22 Posto Tappas im Mairatal geknüpft und ein entsprechender Rundwanderweg mit z. T. deutlich kleineren Etappen als auf der GTA angelegt. Zusätzlich besteht noch die Möglichkeit, einen Gepäcktransport zu buchen. Dieses Geschäftsmodell läuft mittlerweile so gut, dass andere Täler in den Westalpen neidisch auf das Mairatal schauen!
Wir bestaunen das großzügig angelegte Posto Tappa mit 9 Einzelbetten und zwei Bädern, die Bibliothek mit Büchern und Spielen zum Ausleihen, den großen Meditationsraum darüber, die schön angelegten Terrassen und Gärten... Beim 5-gängigen Abendessen, das der Qualität der Räumlichkeiten in absolut nichts nachsteht, unterhalten wir uns mit zwei deutschen Familien, die 6-9 Tage Genusswandern im Mairatal über einen Nürnberger Anbieter gebucht haben (https://www.renatour.de/piemont-wandern) – inklusive Gepäcktransport, Tourenbeschreibung, Wanderkarte, Lunchbox und Übernachtung im Posto Tappa (mit Aufpreis auch im DZ) mit HP. Diese Angebote werden gerne angenommen, haben aber auch ihren Preis: Während wir als selbstorganisierte Wanderer hier 50.- € pro Person für die Übernachtung im Posto Tappa mit HP bezahlen (in Elva waren es 55.-), schlagen bei den organisierten Gruppenreisen pro Übernachtung je nach Länge der Tour 97-105.- € zu Buche. Getränkepreise kommen jeweils noch dazu. Bei dem Preisunterschied trage ich persönlich lieber mein relativ kleines Gepäck auf dem Rücken und wandere und genieße dafür doppelt so lange... Tag, 11. 8. 2018 – Etappe V46: San Martino – Celle di Macra –– 17,1 km, 932 m Anstieg, 1125 m Abstieg: Im Auf und Ab über die Dörfer mit unzähligen Kirchlein zu einer der besten Unterkünfte unserer Wanderung!
Vor unserer etwas längeren Etappe bekommen wir netterweise schon früher als alle anderen unser Frühstück auf der Terrasse, wo es ohne Sonne noch etwas kühl ist. Wie am Vorabend vereinbart und mit deutscher Gründlichkeit in Listen eingetragen, erhalten wir ein kleines Brot als Vesper. Ganz so klein ist das Brot dann doch nicht: Es begleitet uns noch mehrere Tage und ich habe erst einmal ein gutes Kilo mehr zu tragen...
Bei Bilderbuchwetter geht es auf gut wiederhergestellten aber in unserer Richtung nicht immer ausreichend beschilderten Wegen (gefühlt bekommen die Wanderer in Gegenrichtung drei Schilder auf eines bei uns!) das Tal hinab und über die Maira. Die Vielzahl der kleinen Kirchen, die überall an den Hängen verstreut liegen, erstaunt mich. Bei einer viel höheren Bevölkerungsdichte früher machte sie aber durchaus Sinn! Viele der Dörfer, die wir heute passieren, waren vor Jahren noch ganz verlassen. Doch mittlerweile regt sich – auch dank des zunehmenden Tourismus in diesem Tal – vielerorts neues Leben. Wir passieren das schmucke Palent, Colletto, Serremorello. In Combe zeugen zahlreiche Mühlsteine von der mühlenreichen Vergangenheit des Ortes, die kaum ein halbes Jahrhundert zurück liegt. Dazwischen laufen wir stundenlang durch den Wald, der angenehmen Schatten spendet. In Matalia will uns ein großer Hund unfreundlich am Weitergehen hindern. Wir warten eine Weile bis ihn sein Besitzer zurückholt. Wenig später und früher als erwartet ist schon unsere Unterkunft erreicht: Das B&B La Buneta liegt im Ortsteil Paschero von Celle di Macra, der gleich zu Beginn kommt. Äußerst herzlich werden wir aufgenommen und staunen über unser großes Zimmer mit eigenem Balkon und noblem Bad, das pro Person lediglich 25.- pro Nacht mit Frühstück kostet. Im Restaurant Maraman L'Oste D'Seles (das ist die alte Locanda Borgata Chiesa, die unter neuem Namen wieder aufgemacht hat und in der sich auch das Posto Tappa befindet!) im nahen Ortsteil Chiesa kann man noch das Abendmenü (vier Gänge) vergünstigt für lediglich 15.- € p. P. dazubuchen, was sich ausgesprochen lohnt (schon allein die Vorspeise mit frischem Ricotta mit Pesto und einer sehr milden Sardelle oder die selbst gemachten Nudeln rentieren die Anreise!).
Neben dem Maraman gibt es einen kleinen Lebensmittelladen (schon wieder! Von so vielen Läden hätten wir auf anderen GTA-Touren nur träumen können!), wo wir auf Anfrage auch den gigantischen Kirchenschlüssel für die kleine Cappella di San Sebastiano 500 m oberhalb des Ortes an der Straße bekommen. Den gewünschten Personalausweis können wir nicht hinterlegen, da wir den im B&B abgegeben haben. Aber als wir den Namen La Buneta nennen, geht es auch ohne. Auch diese Kapelle mit sehenswerten Fresken aus dem 15. Jahrhundert ist ein wahres Kleinod, kostet keinerlei Eintritt und die Fresken verwittern nach und nach. Ob hier noch nie jemand auf die Idee kam, ganze Kunstreisen oder -wanderungen zu organisieren und mit den Eintrittsgeldern diese wundervollen Kirchen zu renovieren? Die Ladenbesitzerin und gleichzeitig Chefin des Restaurants freut sich, dass uns die Kapelle so gut gefallen hat. Ob wir auch schon direkt gegenüber in der Kirche das Altarbild gesehen hätten? Das sei auch von Hans Clemer, dem „Meister von Elva“. Natürlich gehen wir da auch noch hin! Nur für das Museum Seles, das sich mit dem Sardellenverkauf durch die Dorfbewohner als Nebenerwerb in den Wintermonaten beschäftigt, haben wir heute leider keine Zeit mehr.
Beim leckeren Abendessen im Maraman unterhalten wir uns länger mit einem deutschen Paar, die nun zwei Wochen (ohne Gepäcktransport und selbst organisiert) im Mairatal zu Fuß unterwegs waren und mittlerweile jedes Jahr solche Wanderurlaube machen, was viele Freunde nicht verstehen würden. Das kennen wir auch! Tag, 12. 8. 2018 – Etappe V47: Celle di Macra – Santuario San Magno – 17 km, 1174 m Anstieg, 738 m Abstieg: Eine längere Höhenwanderung in Wolkennähe zum König der Käse und einer weiteren Kapelle mit beeindruckenden Fresken.
Lange geht es durch den Wald und über Almen hinauf auf den grasbewachsenen Höhenkamm bis auf 2239 m. Hier ziehen viele Wolken herum und lassen nur hin und wieder einen Blick frei hinunter ins Mairatal. Celle di Macra (1270 m) sehen wir zwischendurch weit unter uns liegen. Auf dem Höhenkamm kommen wir schnell voran. Der GPS-Track leistet stellenweise wertvolle Dienste bei der Wegsuche. Hinter der Grange Martini geht es bald über ein Unkrautfeld, in dem der Weg nur noch schwer zu erkennen ist. Vom Passo delle Crosette (2180 m) sieht man das Santuario San Magno (1761 m) schon unten liegen und gegen 14.30 Uhr sind wir da. Das von oben sichtbare Hotel etwas unterhalb des Santuarios ist das „La Font“ und nicht wie erhofft das „La Meira“ im Ortsteil Chiappi, bei dem wir gebucht haben. Nachdem wir dort etwas getrunken haben, machen wir einen vergeblichen Versuch, die wegen ihrer Fresken aus dem 15. Jahrhundert berühmte Allamandi-Kapelle im Santuario anzusehen. Wir haben Pech: Es ist Sonntag und ab 15 Uhr gibt es ein Rosenkranzgebet und eine Messe nach der anderen in der Hauptkirche. Durch diese müssen wir aber durchlaufen, um in die Seitenkapelle zu kommen... Also verschieben wir das auf morgen. Am Parkplatz vor dem Santuario an der linken äußersten Ecke entdecke ich einen Wanderweg, der schnell nach Chiappi führt. Am Ortsrand finden wir dann, gut 120 Höhenmeter unter dem Santuario unser Agriturismo „La Meiro“. Dieses scheint in erster Linie ein Restaurant zu sein. Die drei Hotelzimmer erreicht man etwas umständlich ein Stockwerk höher in der umgebauten Scheune. Sie sind gut und einfach gehalten, aber im Vergleich etwas teuer (80.- € pro Zimmer mit Frühstück). Im Restaurant werden wir herzlich und zuvorkommend bedient. Zum Aperitif dürfen wir von dem berühmten Castelmagno-Käse probieren, der hier selbst hergestellt wird. So alleine schmeckt der für unsere Verhältnisse etwas sehr streng. Beim Abendessen macht er sich aber hervorragend in einer delikaten Käsesoße zu einem raffinierten Zucchini-Flan als Vorspeise oder einer nach Käsefondue duftenden schweren Soße zu den selbstgemachten Gnocchis. Wir planen die Route für morgen nach Sambuco. Meine Frau will möglichst wenig auf der Straße laufen und sieht eine Möglichkeit, beim Start vom „La Meiro“ aus ein großes Stück Teerstraße umgehen zu können. Unser Wirt berät uns bereitwillig und ausführlich und nennt noch Varianten, die bei dem morgen angesagten Regen besser sein könnten. Meine Frau lässt sich noch Wachs für ihre Bergstiefel geben in der Hoffnung, diese nach nicht einmal zwei Jahren schon penetrant undichten Goretex-Dinger doch noch irgendwie dicht zu bekommen – leider vergeblich, wie sich bald herausstellen wird! Tag, 13. 8. 2018 – Etappe V48: Santuario San Magno – Sambuco – 19,9 km, 1045 m Anstieg, 1493 m Abstieg: Faszinierende Fresken, ein halber Tag Regenschlacht bis zur Passhöhe und ein spektakulärer Abstieg nach Sambuco.
Am Morgen sieht das Wetter eigentlich noch ganz gut aus und die Berge ringsherum sind frei, was am Abend nicht der Fall war. Nach reichhaltigem Frühstück sprinten wir kurz ohne Rucksack zum Santuario hoch und sehen uns – unverständlicherweise auch hier ohne Eintritt! – die fantastischen und zum Teil gut restaurierten Fresken der Allamandi-Kapelle an. Als wir wieder aus der Kirche kommen, regnet es draußen schon in Strömen. Schnell sind wir wieder unten am „La Meiro“ (die bisher zurückgelegte Strecke verlängert die Etappe heute nochmals um ein Stück!). Dort haben wir den Vorteil, dieses Mal noch im Trockenen alle Regensachen anziehen zu können und in vollem Ornat geht es los. Der Militärweg entlang des Bachs ist kein Problem. Leider endet der dann auf 1720 m Höhe. Laut Fraternali-Karte können wir hier auf den ausgewiesenen Wanderweg wechseln, der uns weiter oben dann wieder auf die GTA bringt. Leider ist dieser Wanderweg aber im Gestrüpp teilweise nirgendwo zu erkennen und wurde nur sehr unzureichend und sporadisch markiert. Da ist fröhliche Wegsuche bei Regen und im hüfthohen, tropfnassen Gras angesagt! Immerhin zeigt meine GPS-Piemont-Karte diesen Weg auch an, so dass wir sehen können, ob wir mehr links oder rechts des Weges sind! Als wir auf 1970 m dann endlich auf diesem „Weg“ wieder die Passstraße erreichen, sind wir froh und folgen tunlichst nun wieder der Straße und der teilweise parallel geführten, Kehren abkürzenden und gut ausgeschilderten GTA. Die im Rother-Führer ausgewiesene Variante „nur für Experimentierfreudige“ (auf der Karte müsste das der R54/a sein) sollte man unter diesen Bedingungen und bei schlechtem Wetter tunlichst meiden! Ein eiskalter Wind fegt den Berg herunter und lässt den Regen noch lauter auf unsere Regenjacken prasseln. Außer drei Rennradfahrern und zwei Autos ist bei diesem Wetter niemand auf der schmalen Passstraße unterwegs. Endlich sind wir oben am Colle Fauniera (2481 m) mit dem von Rennradlern stets aufgesuchten Marco Pantani-Denkmal!
Richtung Süden und Südwesten sind alle Berge frei und je weiter wir auf der spektakulären Passstraße und später über Almen absteigen, desto besser wird das Wetter wieder. Beim nicht bewirtschafteten Rifugio Don Franco (2067 m) können wir alle Regensachen und sogar die langen Hosenbeine wieder ausziehen. Junge Murmeltiere beäugen uns neugierig und ohne jede Scheu. Die „Regina delle Alpi“ (deutsch Mannstreu), eine blaue Distelart, fällt uns ins Auge, die wir bisher noch nie gesehen haben. Der bequeme und schöne Weg bis zur Gias Mure (1840 m) wird nun etwas steiler und führt - an unzähligen wilden Lavendelbüschen vorbei - in vielen Windungen in eine spektakuläre Schlucht hinunter. Gegen 16:30 Uhr sind wir am Ziel unserer diesjährigen Wanderung in Sambuco. Andere Wanderer hatten uns schon von dieser weit über das Piemont hinaus bekannten Slow-Food-Adresse vorgeschwärmt. Als Belohnung für alle Strapazen haben wir hier im Albergo della Pace für drei Nächte ein DZ mit HP (65.- p. P. und Nacht) gebucht, was wir nicht bereuen werden: wir bekommen ein schönes, großes Zimmer mit Balkon zum kleinen Marktplatz des ruhigen Dorfes hin. Kaum sind wir mit dem Duschen fertig, geht ein kräftiger Regenguss nieder. Gleichzeitig scheint die Sonne und über dem Sturatal und Sambuco erscheint ein doppelter, stark leuchtender Regenbogen.
Das Abendessen ist ein Gedicht und wird regelrecht zelebriert: An jedem Tisch liegt die gedruckte Speisenfolge aus und wer (wie ich!) nach der excellenten Vorspeise von Primo und Secondo jeweils beide angebotenen Gerichte probieren will, kann gleich „misto“ bestellen. Vor dem Dolce bringt der Senior-Chef Bartolo Bruna jeweils noch eine Käseplatte und Obst zusätzlich, damit ja alle satt werden. Zuvor geht er zu allen Gästen an den Tisch, um persönlich nachzufragen, ob auch alles geschmeckt hat. Die ganze Familie hilft mit beim Bedienen. Eine Tochter hat gleich gegenüber des Albergos eine Bar und ein gutgehendes Restaurant. Auch für das Posto Tappa ist mittlerweile sie zuständig. Den Lebensmittelladen an der Dorfstraße betreut die Tante, ein Cousin das nahe B&B. So hat über Jahrzehnte hinweg diese eine Familie mit dafür gesorgt, die Infrastruktur in dem ebenfalls von starker Abwanderung betroffenen Dorf aufrechtzuerhalten, was sich mittlerweile auszahlt. Tag, 14. 8. 2018 – Etappe 48: Sambuco – Pontebernardo (und im Tal wieder zurück nach Sambuco) – 15,1 km, 623 m Anstieg, 627 m Abstieg: Nach einem ebenfalls gigantischen Frühstück nutzen wir das schöne Wetter, um noch den Kreis zu unserer GTA-Tour von vor zwei Jahren zu schließen: Damals waren wir von Pontebernardo weiter nach Ferriere und von dort zum Rifugio Prati del Vallone (ehemals Talarico), später zum Rifugio Migliorero, nach San Bernardo, Strepeis, St. Anna usw. gelaufen. Nun fehlt noch das Verbindungsstück zwischen Pontebernardo und Sambuco. Hinwärts laufen wir diesen sehr schönen, mit einem schwarzen Schaf markierten alten Pfad am Südhang des Sturatals entlang, der wunderschöne Ausblicke auf das gesamte Tal und vor Pontebernardo dann auf die Barricate bietet. Zurück nehmen wir den deutlich kürzeren aber auch langweiligeren Weg im Tal.
Als wir in der Bar gegenüber unserem Hotel sitzen, geht draußen ein Gewitter nieder, das wir beim Wandern nicht so gerne erlebt hätten. Zwei junge Italiener sitzen bei uns am Tisch und wir kommen ins Gespräch. Sie waren schon am frühen Morgen auf dem Monte Tenebrae (einem nahen 3000er) und lassen es sich jetzt in der Bar gut gehen. Sie freuen sich, dass uns die Landschaft hier und vor allem auch das Essen so gut gefallen. Sie selbst seien bergsüchtig, meinen sie - ob nun im Sommer beim Bergsteigen oder im Winter beim Skifahren. Als sie sich verabschieden, sagt der eine im Gehen beiläufig, unser Bier sei schon bezahlt. Ich frage verdutzt: „Perché?“ „Perché siamo in Italia!“
Zurück im Hotel leisten wir uns heute am späten Nachmittag den Besuch des Sauna- und Wellnessbereichs (auf Italienisch lautmalerisch „Benessere“) im Untergeschoss. Es gibt drei verschiedene Saunen (eine mit Heuduft!), ein Dampfbad, einen Kneippbereich und eine Salzgrotte. Noch besser gelaunt als gestern nach der langen Etappe kommen wir zum Abendessen, wo uns wieder neue Köstlichkeiten geboten werden. Tag, 15. 8. 2018 – Etappe 49a: Sambuco – Caserma – Sambuco – 12,6 km, 1232 m Anstieg, 1208 m Abstieg: Heute ist Ferragosto, einer der höchsten Feiertage in Italien. Unser netter Juniorchef beneidet uns, dass wir einfach so über Mittag dem ganzen Festtagsrummel in die Berge entfliehen können! Mich interessiert noch die Etappe Sambuco – Rifugio Migliorero, die wir zumindest ein Stück weit laufen wollen. Durch Wald und vorbei an vielen Heidelbeerbüschen geht es zuerst stetig und am Ende sehr steil nach oben, bis wir ein idyllisches Wiesenplateau mit der Caserma (2241 m) – alten Militärruinen – erreichen. Wir laufen vor bis zum südlichen Rand, wo wir einen guten Blick auf das Vallone dell´Ischiator haben, in dem unübersehbar das Rifugio Migliorero auf einem Felsen thront. Unsere ursprüngliche Idee, hier noch ein kleines Stück weit den Sentiero Balkone Richtung Costabella del Piz weiterzulaufen, geben wir wieder auf: Zu viele große Wolken ziehen zwischen den Bergen umher und ein Pilzesammler beim Aufstieg hat uns extra noch vor den heftigen Gewittern gewarnt. Also machen wir uns bald wieder an den zweistündigen Abstieg nach Sambuco. Kurz bevor wir ganz unten sind treffen wir einen Rennradfahrer, der auf einer Bank Mittagspause macht und kommen ins Gespräch. Er kommt aus der Gegend von Barolo. Das sei aber eine große Runde für heute, meine ich. Eigentlich zu groß, seufzt er! Er will genau wissen, wo wir hier in der Gegend schon überall waren, welche Rifugios wir kennen und ist beeindruckt, was wir alles aufzählen. Und dass wir das Essen hier sehr gut finden, freut ihn besonders. Irgendwie kommen wir auf die vielen Franzosen zu sprechen, die hier zum Essen und Einkaufen über die Grenze kommen. Wir könnten uns noch stundenlang weglachen, mit welcher Mimik und Gestik er die Franzosen nachmacht... Das Wetter bleibt übrigens bis zum Abend noch gut und im Unterschied zu gestern kommt trotz der vielen Wolken weder Regen noch Gewitter. Tag, 16. 8. 2018 – Reisetag mit dem Bus: Sambuco – Vinadio – Cuneo: Unser Bus nach Vinadio und von dort weiter nach Cuneo geht erst um 11.44 Uhr. So haben wir noch Zeit, durch Sambuco mit seinen verschiedenen Ortsteilen zu schlendern. Weiter unten im Dorf gibt es eine Käserei und einen Bio-Imker. Ein Schild am Ortsrand ermahnt die Autofahrer, hier langsam zu fahren, da Kinder auf der Straße spielen. Der alleinstehende Glockenturm Torre di San Bartolomeo von 1400 gilt als Wahrzeichen des ganzen Ortes.
In Vinadio schlendern wir kurz durch das riesige Fort. In Cuneo kennen wir uns schon gut aus und steigen wie immer im Hotel Royal Superga ab. Nach einem ausgedehnten Stadtbummel speisen wir wieder hervorragend in der nahen „Locanda la volpe con la pancia piena“ zu Abend, deren Wirtin uns gleich erkennt. Tag, 17. 8. 2018 – Reisetag per Zug: Cuneo – Turin: Mit großem Vergnügen kaufen wir in Cuneo noch einige Mitbringsel ein und bestaunen den kleinen Markt: Superreife, saftige Pfirsiche oder riesengroße Paprika für 1,00 € das Kilo, Trauben für 1,50... Bester Käse in riesiger Auswahl zu Preisen, für die man in Deutschland nicht einmal die Hälfte bekommen würde!
In Turin ist deutlich mehr auf den Straßen los. Es ist heiß, laut und wir haben zum ersten Mal in diesem Urlaub keine Lust mehr auf weitere Unternehmungen. Nun wird es Zeit, dass wir wieder nach Hause kommen!
Im „Norman“ feiern wir abends das Ende unserer diesjährigen Tour bei einem „Aperitivo Reale“, von dem wir in einem GTA-Band gelesen hatten und der seinem Namen durchaus alle Ehre macht: Für 24.- € pro Person wird da neben einem herausragenden Aperol Spritz (oder was auch immer man als Aperitif bestellen will) auf mindestens 12 Tellerchen alles aufgefahren, was die Küche an diversen Vorspeisen zu bieten hat. Nicht alles ist geschmacklich so spannend, wie es aussieht, aber wir sind schon bald absolut pappsatt. Und selbst ich schaffe es nicht, alles aufzuessen... Tag, 18. 8. 2018 – Rückreise per Zug: Turin-Karlsruhe: Mit der bisher schnellsten und bequemsten Zugverbindung (Turin ab 9:50, Karlsruhe an 17:29 Uhr) geht es mit nur einem Mal Umsteigen in Mailand zurück nach Hause. Bei früher Buchung kostet das lediglich 73,90.- € pro Person bei Trenitalia. Wer nicht am Samstag fährt und rechtzeitig einen Sparpreis bei der DB bucht, kann ab Mailand sogar für 49.- € in der 1. Klasse reisen.

Weitere Infos zu Kartenmaterial, Kosten, Rucksackgewicht, Unterkünften usw. finden sich bereits ausführlich in den Berichten der Vorjahre. Daher nur so viel: Die Gesamtkosten pro Tag (mit allen Getränken, Einkäufen, Lunchpaket usw.) lagen im Nordteil (vor allem auch durch die drei Übernachtungen in der Schweiz) ohne An- und Abreise dieses Jahr erstmals bei ca. 80.- € pro Person und Tag statt bei ca. 70.- im Südteil letztes Jahr.
Wer sich selbst so eine Wanderung nicht zutraut und sich einer Gruppe mit professioneller Führung anvertrauen möchte, findet z. B. unter folgenden Links weitere Informationen:

https://www.hauptsache-draussen.de/Trekking/Grande-Traversata-delle-Alpi-GTA/?mact=Products,cntnt01,details,0&cntnt01category=Trekking&cntnt01cd_origpage=61&cntnt01productid=60&cntnt01returnid=66

https://www.dav-summit-club.de/reisedetails/detail/1-etappe-der-grande-traversata-delle-alpi-vom-nufenenpass-zum-orta-see.html

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@altes_forum
Die Ruine des abgebrannten Refuge wurde im Herbst 2015 abgetragen. Nun ist nichts mehr vom ehemaligen Refuge zu sehen. Ob je wieder ein neues Refuge an dieser Stelle gebaut wird ist ungewiss.
Entscheiden wird diese Frage ein laufender Rechtsstreit betreffend der Versicherung des abgebrannten Refuge. Wenn die Versicherung zahlt kann es wieder aufgebaut werden. Wenn sie nicht bezahlt, hat der Pyrenäen-Nationalpark klar kommuniziert, dass er die notwendigen 2 Millionen Euro für einen Neubau nicht aufbringen kann.
Als alternative für die im Wanderbuch beschriebenen Route empfihelt sich im Cirque d'Estaubé (Etappe 9.1.), ca. 200 Höhenmeter unterhalb der Hourquette d'Alans, die beschriebene Route zu verlassen, zum Port Neuf de Pinède aufzusteigen und auf der spanischen Seite in das Valle de Pineta abzusteigen. Von dort auf dem GR 11 nach Parzan, wo wir wieder auf die im Buch beschriebene Route treffen (siehe zu dieser neuen Route auch die Aktualisierung auf http://wanderweb.ch/Zu-Fuss-durch-die-Pyrenaeen-Der-Westen.